EPR für Textilien: FairWertung fordert abgesicherte Teilhabe für sozialwirtschaftliche Akteure
Pressemitteilung unseres Dachverbands FairWertung e.V.
Essen, April 2026. Der Dachverband FairWertung e.V. hat seine Stellungnahme zum Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien vorgelegt.
FairWertung begrüßt, dass die Bundesregierung die Rolle sozialwirtschaftlicher Akteure im System anerkennt. Entscheidend wird jedoch sein, dass die konkrete Ausgestaltung des Systems diese gemeinnützigen Strukturen auch tatsächlich absichert.
„Die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung ist von hoher Bedeutung für die Zukunft sozialwirtschaftlicher Akteure in Deutschland. Entscheidend ist, dass bestehende Strukturen nicht nur anerkannt, sondern auch verlässlich abgesichert werden“, sagt Anton Vaas, Vorsitzender des Dachverbands FairWertung e.V. und geschäftsführender Vorstand der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart.
Ein zentraler Baustein hierfür ist das in der europäischen Abfallrahmenrichtlinie verankerte Eigenvermarktungsprivileg. Es ermöglicht die direkte Nutzung von Textilien für soziale Zwecke – etwa in Kleiderkammern oder im Rahmen von Hilfsgüterlieferungen – und ist damit grundlegende Voraussetzung sozialwirtschaftlicher Arbeit.
Darüber hinaus bietet die in der Richtlinie angelegte Berücksichtigung sozialwirtschaftlicher Akteure bei der Vergabe von Sammelstellen eine geeignete Möglichkeit, deren Teilhabe im System praktisch abzusichern. Eine angemessene Berücksichtigung, etwa im Sinne eines ausgewogenen Anteils von Standorten, kann dazu beitragen, bestehende Strukturen zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Großflächige oder stark volumenorientierte Vergabeverfahren für Sammlungsleistungen lehnt FairWertung ab, da sie zur faktischen Verdrängung gemeinnütziger Strukturen führen. FairWertung begrüßt zugleich, dass das Eckpunktepapier solche Verfahren nicht vorsieht und damit einen Rahmen schafft, der die Teilhabe unterschiedlicher Akteure ermöglicht.
„Sozialwirtschaftliche Akteure sind ein leistungsfähiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft – und sie sollen es auch künftig bleiben. Dafür braucht es klare und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen“, betont Thomas Ahlmann, Geschäftsführer des Dachverband FairWertung e.V.
FairWertung weist zudem darauf hin, dass sozialwirtschaftliche Akteure keine Kostentreiber im System sind. Die erbrachten Leistungen entsprechen den abfallwirtschaftlichen Anforderungen und haben sich in der Vergangenheit im Wettbewerb behauptet. Gemeinnützige Organisationen erbringen die gleichen abfallwirtschaftlichen Leistungen, verwenden die Erlöse jedoch anders: Sie werden nicht privatisiert, sondern in gemeinwohlorientierte Zwecke reinvestiert.
Zugleich weist FairWertung die Darstellung zurück, die von gemeinnützigen Organisationen über Jahrzehnte aufgebauten Strukturen der Wiederverwendung als „Cherry Picking“ zu diskreditieren. Diese Strukturen bilden die Grundlage der Wiederverwendung von Textilien in Deutschland und sind ein integraler Bestandteil funktionierender Kreislaufwirtschaft.
Stellungnahme zum Eckpunktepapier zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien
Dachverband FairWertung e.V. | April 2026 [PDF-Dokument]
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Über FairWertung
Der Dachverband FairWertung e.V. ist das bundesweite Netzwerk gemeinnütziger Organisationen der Alttextilsammlung. Dem Verband gehören rund 150 Organisationen an.

